Dr. Hans-Peter Hauschild

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02.09.1954
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04.08.2003

 

Nachruf auf Hans Peter Hauschild

Es sollte wieder lauter werden um Hans Peter Hauschild, wie früher,als er in Lederkluft und Holzfällerhemd das Talkshowpublikum mit steilen Thesen zur Prävention schockierte. Offen schwul, promisk und positiv brach Hans Peter mit dem Bild der anständigen Aids-Aktivisten, die in Schlips und Kragen um Toleranz und Verständnis warben. Er war der Protagonist jener „Schmuddelkinder“, die politisch durch Aids bedroht waren: Schwule, Junkies, Huren und Stricher. Die längere Zeit seines Lebens war Hans Peter eine öffentliche Person: als geschasster Mitarbeiter der Caritas, als Aktivist der Frankfurter und der Deutschen Aids-Hilfe, auch als Berater für abschiebungsbedrohte Flüchtlinge. Danach begann ein neuer Lebensabschnitt: vita contemplativa – zum Beten kam das Schreiben. Drei Bücher sind in diesen wenigen Jahren entstanden: eine Studie über Marienwallfahrtals moderne Praxis im Zeichen Globalisierung, mit der Hans Peter in Kulturwissenschaft promoviert wurde, ein Buch über die Mystik des Sterbens und die Autobiografie eines von ihm betreuten Romajungen. Das letzte Buch über Theologie und Erotik, das Lebensthema von Hans Peter, wird posthum erscheinen. Er brachte wie kein anderer schwule Promiskuität und liturgisch strengen Katholizismusauf einen Nenner. Mit beidem eckte er an. Den einen war er zu lüstern, den anderen zu fromm. Mit dem Buch wollte er wieder aus der Stille auftauchen, eine Debatte anstoßen und zumindest in der Theorie die Lücke schließen, die ihn Zeit seines Lebens geschmerzt hat.

Mehr Informationen zu Hans Peter Hauschild sind unter http://www.hanspeter-hauschild.de/ zu finden.